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Patienten

Strategie zur Stärkung von Patient:innen- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen

„Ohne Beteiligung gibt es keine wahre Gesundheit“ (WHO 2025)

Gestalten Sie mit! Helfen Sie dabei, das Gesundheitswesen stärker an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.


Gesundheit kann sich am besten entfalten, wenn Menschen aktiv auf ihre beeinflussenden Faktoren einwirken können. Bislang wurden Entscheidungen im Gesundheitswesen häufig gefällt, ohne dass davon betroffene Menschen daran beteiligt sind.

Beteiligung, verstanden als Möglichkeit der Einflussnahme auf Entscheidungen, eröffnet den Raum, die betroffenen Bevölkerungsgruppen in diese Entscheidungen einzubinden. Das Ziel von Beteiligung ist, die Brücke zwischen den Erfahrungen sowie Bedürfnissen der Bevölkerung und der Perspektive der Politik zu bilden (WHO 2021). Dafür bedarf es klarer Vereinbarungen, wie Entscheidungen getroffen werden und welche Personen bzw. Vertreter:innen von Organisationen mitbestimmen können.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz soll daher gemeinsam mit Vertretungen von Bund, Ländern und Sozialversicherung sowie der organisierten Zivilgesellschaft eine Strategie zur Stärkung von Patienten- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen entwickelt werden.

Die Ziele der Strategie sind dahingehend festzulegen,

·      wer die Interessen von Patientinnen/Patienten und der Bevölkerung direkt vertreten kann,

·      in welchen Bereichen Beteiligung strukturiert ablaufen sollte,

·      wie Beteiligungsprozesse sinnvoll unterstützt werden können.


Ulrike Königsberger-Ludwig
Dr.in med.univ. Katharina Reich

Ulrike Königsberger-Ludwig

Staatssekretärin

Katharina Reich

Sektionschefin

Phasen

Phasenübersicht
Phase 1: Auftrag für Entwicklungsprozess
Auftrag für Entwicklungsprozess
Phase 3: Ergebnisse der Umfrage
Ergebnisse der Umfrage
Phase 5: Ergebnisse des Beteiligungsforum
Ergebnisse des Beteiligungsforum

Ergebnisse des Beteiligungsforum

17. Oktober 2025 - 20. Oktober 2025

Bürgerbeteiligung im österreichischen Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen

Die Strategie zur Stärkung von Patient:innen- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitswesen hat zum Ziel, das österreichische Gesundheitswesen durch die Beteiligung und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten und Betroffenen zu fördern. Beim Bürger:innen-Forum am 3.10.2025 widmeten sich rund 50 interessierte Bürger:innen der Frage, wie die Bevölkerung bei der Weiterentwicklung und Gestaltung des Gesundheitswesens eingebunden werden kann und soll.

In mehreren Workshops und Diskussionsrunden wurden Beteiligungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen, von Strategieprozessen bis hin zu lokalen Beteiligungsangeboten in Care-Räten und Patient:innenräten in der Primärversorgung sowie die digitalen Beteiligungs-Plattform für Gesundheit, besprochen und gemeinsam Empfehlungen entwickelt, was es braucht, damit Bürger:innen sich gut einbringen können und wollen.

Ablaufplan der Veranstaltung

Umfrage

Vor dem Bürger:innenforum gab es die Möglichkeit, auf der Beteiligungsplattform mehrere Fragen zum Thema Beteiligung zu beantworten.

Hier werden die Umfrageergebnisse dargestellt.

Die Ergebnisse der Umfrage dienen als Basis für die weitere Beteiligungsstrategie:

Gruppenarbeiten

Alle Teilnehmer:innen wurden nach der Erklärung in sechs Gruppen aufgeteilt. In diesen Gruppen wurde anhand von Szenarien versucht, folgende Fragen zu beantworten:

  • Was motiviert Sie, sich an dem Prozess zu beteiligen? Welche Informationen brauchen Sie vorab, damit Sie gut teilnehmen können?
  • Was brauchen Sie, um sich gut einbringen zu können?
  • Welche Perspektiven dürfen Ihrer Meinung nach nicht fehlen im Prozess? Was würde helfen, damit ganz unterschiedliche Leute mitmachen?
  • Wofür kann unser Alltags- und Erfahrungswissen hilfreich sein? Wie kann Ihr Beitrag Verbesserung bewirken?

Ergebnisse

Was motiviert Bürger:innen sich an Projekten und Prozessen im Gesundheitsbereich zu beteiligen?

Die Motivation zur Beteiligung entsteht häufig aus persönlichem Interesse am Thema oder eigener Betroffenheit. "Man muss einen Bezug zum Thema spüren – persönliche Betroffenheit zählt". Gleichzeitig bringen Bürger:innen wertvolles Alltagswissen ein, das hilft, bestehende Lücken und einseitige Perspektiven im Gesundheitswesen – den sogenannten „Tunnelblick“ – aufzubrechen.

Betont wurde auch der Wunsch nach Verbesserungen im System und die Hoffnung auf eine demokratischere Entscheidungsfindung.

Darüber hinaus wird der gesellschaftliche Mehrwert betont: Die Beteiligung wird als Teil demokratischer Verantwortung gesehen, nicht als bloßes Instrument.

Eine Impression aus dem Workshop einer Teilnehmerin
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Besonders wichtig sind Bürger:innen sichtbare Wirksamkeit und Transparenz. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten nachvollziehen können, wie ihre Beiträge in die Umsetzung einfließen und welche konkreten Ergebnisse daraus entstehen. Dieses Feedback stärkt das Vertrauen und motiviert zur weiteren Mitwirkung. Eine ergebnisoffene Gestaltung der Beteiligungsprozesse, in der unterschiedliche Perspektiven Raum finden, sowie spürbare Mitgestaltungsmöglichkeiten fördern das Gefühl, dass die eigene Stimme gehört und berücksichtigt wird.

Positive Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen sowie Vorbilder, die sich engagieren, beispielsweise Influencer:innen, können zusätzlich zur Teilnahme anregen.

Auch zeitliche Ressourcen spielen eine wichtige Rolle: Beteiligung gelingt vor allem dann, wenn sie mit dem Alltag der Menschen vereinbar ist.

Was brauchen Bürger:innen um sich gut einbringen zu können?

Oftmals sind die Möglichkeiten für Bürger:innen, sich gut einbringen zu können, begrenzt. Jede Methode hat unterschiedliche Herausforderungen: Digitale Zugangshürden – etwa die Notwendigkeit, bei einer digitalen Plattform ein Nutzer:inen-Konten zu erstellen – schrecken ab, vor allem Ältere oder technisch weniger Versierte.

Auch sprachliche und inhaltliche Komplexität von Informationen kann eine Hürde schaffen: "Wird alles in wissenschaftlicher Sprache präsentiert, fühlen sich viele ausgegrenzt," merkt ein Teilnehmer an.

Auch die Datensicherheit ist ein Thema. Zeitliche Verpflichtungen sind zusätzliche praktische Hindernisse.

Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Um die Beteiligung aller zu ermöglichen braucht es daher Ressourcen und gezielte Unterstützung im gesamten Prozess:

Eine breite, aktive Ansprache aller Bürger:innen, Information und Orientierung zu Beteiligungsmöglichkeiten und den Themen sowie eine niederschwellige Kommunikation sind wichtige Voraussetzungen. Eine positive Grundhaltung zu Beteiligung und eine wertschätzende Kommunikation bilden die Basis für Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Schließlich müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Teilnahme praktisch möglich ist. Dazu gehören räumliche und zeitliche Flexibilität, hybride Angebote sowie eine angenehme, offene Atmosphäre.

Besonders hilfreich sind Freistellungen durch Arbietgeber:innen und Schule . Freie Tage für demokratische Beteiligung und eine Beteiligungsanwaltschaft wurden als innovative Ideen zur Ermöglichung des Engagement genannt.

Den Prozess der Beteiligung unterstützt auch eine grafisch ansprechende Aufbereitung von Ergebnissen. Ebenso wichtig ist eine transparente Darstellung von Grenzen und realistischen Handlungsspielräumen. Ziele und Nutzen müssen klar erkennbar sein.

Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Wie kann Diversität und Repräsentativität – insbesondere die Einbindung vulnerabler Gruppen – gewährleistet werden?

Um möglichst alle Menschen über die Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren müssen breit gestreute Informationen durch gezielte Ansprache über Multiplikator:innen ergänzt werden.

Besonderer Fokus sollte auf sozial benachteiligte Menschen und Gruppen gelegt werden (z. B. isolierte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen, ohne Internetzugang, mit Migrationserfahrung). Auch Menschen mit Betreuungspflichten und Vielbeschäftigte brauchen spezifische Unterstützung und Ansprache, um sich einzubringen.

Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: "Es nehmen meist die teil, die ohnehin schon engagiert sind."

Welche Formate der Beteiligung und welche Kanäle zur Ansprache von Bürger:innen werden als besonders geeignet für Beteiligung erlebt – und welche werden kritisch gesehen?

Spezifische Formate – etwa niederschwellige Umfragen in Ambulanzen, Betrieben, Schulen oder über soziale Medien – können helfen, alle Menschen zu erreichen.

Hybridformate, also die Kombination aus Online-Beteiligung (Plattformen, digitale Umfragen) und Präsenzveranstaltungen (Workshops, Bürgerforen), werden als sinnvoll und notwendig angesehen. Für viele ist die mobile Nutzbarkeit entscheidend: Zugänge müssen einfach, multimedial und mehrsprachig sein. Lokale Initiativen wie die "Care Räte" (kommunale Arbeitsgruppen) bieten einen niedrigschwelligen Zugang und schaffen persönliche Nähe.

Staatssekretärin begrüßt Bürger:innen
Bürger:innen im Gespräch
Diskussionsrunde
Diskussionsrunde

Wie gelingt es, die Erfahrungen von Bürger:innen mit dem Expertenwissen zu verbinden?

Die Beteiligten betonen die Bedeutung von Alltagswissen und persönlichen Erfahrungen als wertvolle Ergänzung zu Expertendaten: "Das Alltagswissen gibt den Statistiken ein Gesicht und Emotion."

Allerdings braucht es eine Übersetzung: Persönliche Erfahrungen müssen systematisch gebündelt und ausgewertet werden, damit sie in Strategieprozesse einfließen. Gleichzeitig wird diskutiert, wo die Grenze liegt: Nicht jede Einzelmeinung kann in der Gesamtstrategie abgebildet werden. Aggregation und Fokussierung – beispielsweise auf typische "Versorgungslücken" – sind nötig.

Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Feedback- und Rückkopplungsmechanismen in Beteiligungsprozessen sind entscheidend!

Ein zentrales Thema ist der Wunsch nach sichtbarer Wirkung: "Transparenz, was mit meinem Beitrag passiert – das ist entscheidend für erneutes Engagement." Fehlt die Rückmeldung, entsteht Frustration oder Desinteresse. Mehrfach wird gefordert, Ergebnisse kompakt, zielgruppenadäquat und für alle verständlich öffentlich zu machen – ob per Newsletter, Poster in der Apotheke oder als Rückmeldung auf der Online-Plattform.

Inwiefern spielen Wertschätzung und Anerkennung für die Teilnehmenden eine Rolle?

Wertschätzung – sowohl formell, etwa durch Teilnahmebestätigungen, kleine Aufwandsentschädigungen oder Freistellungstage, als auch informell durch aktives Zuhören und Rückmeldung – wird von vielen als unverzichtbar genannt. Eine offene, einladende Kultur, in der jede Stimme zählt und Scham- oder Versagensgefühle abgebaut werden, gilt als Erfolgsfaktor.

Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Gab es kontroverse Sichtweisen auf das richtige Maß an Partizipation?

Mehrere Teilnehmende warnen vor einer Überforderung oder dem Risiko, dass "zu viel Beteiligung ohne echten Mehrwert" entsteht.

Es wird gefragt, wieviel und wessen Beteiligung tatsächlich sinnvoll ist: "Nicht jeder kann und will überall mitreden. Es braucht einen klaren Fokus und eine kluge Auswahl."

Ebenfalls kritisch betrachtet wurde die Tendenz, dass vor allem Menschen mit höherem Bildungsabschluss und Engagierte teilnehmen, während benachteiligte Gruppen außen vor bleiben. Aufsuchende Formate, werden daher als eine wichtige Ergänzung zu digitalen Plattformen und Bürger:innenforen "in der Hauptstadt" gesehen.

Wie kann die Beteiligung langfristig nachhaltig und wirksam eingebunden werden?

Mehrere Stimmen fordern die Institutionalisierung von Beteiligungsformaten – sei es in Form von regelmäßigen Bürgerräten, digitalen Plattformen mit aufeinander aufbauenden Phasen oder regionalen Anlaufstellen. Wichtige Voraussetzungen sind dabei eine gesicherte Finanzierung, professionelle Koordination, klare Zuständigkeiten und die stetige Weiterentwicklung der Formate. "Erfolgsgeschichten und sichtbare Verbesserungen sind der Schlüssel, um Beteiligung zu verankern und Vertrauen aufzubauen", betont eine Teilnehmerin. Gleichwohl bleibt die Frage offen, ob und wie eine echte “Kultur der Partizipation” entstehen kann.

Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen
Eine Impression aus dem Workshop von mehreren Teilnehmer:innen

Welche möglichen Zielkonflikte gibt es?

Die Spannungsfelder in Bezug auf Beteiligung liegen zwischen Ansprüchen an Transparenz, Datenschutz und Anonymität; zwischen Breite und Tiefe der Beteiligung (wenige Fachleute vs. breite Laienbeteiligung); zwischen Aufwand für die Einzelnen und gleichwertiger Mitsprache in längerfristigen Prozessen, praktischer Durchführbarkeit und Anspruch sowie zwischen kurzfristigen Verbesserungen und langfristiger gesellschaftlicher Transformation.

Kritisch diskutiert werden vor diesem Hintergrund auch die Grenzen der Einflussnahme und Machtverhältnisse – etwa die Rolle von lokalen Amtsträgern in kleinen Räten.

Fazit

Die Gruppenarbeiten machen deutlich: Partizipation im Gesundheitswesen birgt große Potenziale. Es braucht aber Ressourcen, Unterstützung und eine positive Beteiligungskultur, sowie Ergebnisoffenheit, um diese Umzusetzen.

Niederschwellige, vielfältige und transparente Angebote sind nötig. Klare Strukturen, Wertschätzung und Zielorientierung werden betont. Letztlich wird Beteiligung aus Sicht der Bürger:innen nur dann gut funktionieren, wenn sie kontinuierlich passiert, die Ergebnisse ernst genommen und aufgegriffen werden und wenn sie professionell implementiert wird. Bürger:innen wollen spüren, dass ihre Mitarbeit eine Wirkung hat.

Hier werden die Ergebnisse unter der Überschrift "Was ist uns aufgefallen" aufgelistet

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    • Veranstaltungsdatum: Oktober 3., 2025 von 10:00 bis 16:30.

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